Bitterballen Tournament, Veldhoven 2023

Unsere beiden UWH-Teams haben mittlerweile schon Turniere in Deutschland, Tschechien und Slowenien besucht, aber die Erfahrungen am Wochenende in den Niederlanden waren ungewöhnlich und anders. Der Hammer für uns: es war ein Jugendturnier: unser erstes. Alle Spieler gehörten der U19 Fraktion an. Da einige unserer Spieler erst 13 Jahre alt sind, scheint das zunächst keine große Sache. Aber auch die anderen Teams waren altersmäßig oft bunt zusammengewürfelt. Unser jüngeres Team, die Puck Ducklings, konnten zwar kein Spiel gewinnen und endeten auf dem 9. und letzten Platz, aber sie konnten fast in allen Spielen Tore erzielen, und manche Spiele waren sehr knapp. Entscheidend war meist, dass unsere älteren Spieler alle im Puck Duck Team waren, während gerade die holländischen Teams neben ihren jüngsten Spielern fast immer ein oder zwei „große“ Spieler im Team hatten, die das Spiel in kritischen Situationen retten konnten. Zudem waren unsere Teams leider nicht vollzählig. Die Ducks waren statt der zehn Spieler, die ein vollständiges Team hat, nur zu fünft, da kurz vor dem Turnier noch zwei Spieler ausgefallen waren. Die Ducklings waren immerhin acht, mussten aber immer wieder einen Stürmer an die Ducks abgeben, damit diese überhaupt die nötigen sechs Spieler ins Wasser bringen konnten. In einigen Spielen half dann noch ein befreundeter belgischer Spieler aus. Mattias aber hatte damit das Vergnügen auf seinem zweiten Turnier in zwei Teams zu spielen. Für unsere beiden Teams bedeutete dies, dass die Spieler jedes Spiel durchspielen mussten, statt wie in den anderen Teams mit vier fliegenden Wechselspielern die Last zu verteilen.
Und damit kommen wir zu einer zweiten Besonderheit holländischer Turniere: Der Spielplan ist rasant. In Veldhoven waren das binnen vier Stunden acht Spiele für jedes Team und in der folgenden Stunde eins von zwei Finalspielen von zweimal zehn Minuten mit Seitenwechsel für die Ducks. Unter diesen Bedingungen doppelt zu spielen, ist besonders hart. Der Vorteil dieser Spielweise war für uns vorweg ein gemütliches Frühstück in der Fußgängerzone von Veldhoven mit frisch gebackenem Spekulatiusbrot und einer schönen Tasse Kaffee oder heißer Schokolade zum Abschluss.
Die lockere Organisation des Turniers hatte für uns Vor- und Nachteile: so haben wir erst einen Monat vor Beginn des Turniers erfahren, dass wir teilnehmen können und dies auch mit zwei Teams. Da haben wir schon gar nicht mehr damit gerechnet und die billigen Zugtickets waren leider nicht mehr zu haben. Auch bei den Unterkünften schien es schwer. Zelten im Oktober war nicht allen geheuer, aber am Ende für die meisten ein schönes Abenteuer, für einen leider genauso feucht wie ein UWH-Spiel. Andererseits brauchten wir weder teure tauchsportärztliche Atteste noch unterschriebene elterliche Einwilligungen, Spielerpässe oder Verzichtserklärungen für eventuelle Schäden. Hier geht alles auf Treu und Glauben und so ganz ohne Papiere ist die Organisation leichter. Das Captains-meeting endete nach nur fünf Minuten: Es wird keine Penalties geben, sondern ein Foul in der Nähe des eigenen Tores wird direkt mit einem Tor geahndet und Zeitstrafen wird es nur in Ausnahmefällen geben. Spielt also fair! Ende der Durchsage, noch Fragen? Geht Euch umziehen, in fünfzehn Minuten geht es los! Ein Grund für diese lockere Art der Niederländer ist die große Zahl und Dichte der Clubs. Mit so vielen nationalen und internationalen Turnieren ist so ein Jugendturnier einfach keine große Sache: es wird nebenher organisiert und an einem Nachmittag, wo das Bad frei ist durchgezogen.
Glücklicherweise spielten unsere beiden Teams im ersten Spiel gegeneinander. Wir wussten wie es ausgehen würde und konnten uns ohne Druck locker einspielen und das zu knappe Einschwimmen und Eintauchen kompensieren. Eine weitere knappe Viertelstunde später spielten die Ducks schon gegen das Argonauta-Team aus Breda. Es war ein ausgeglichenes Spiel und es dauerte fast die halbe Spielzeit bis das erste Tor fiel, aber dann gelang es den Ducks ihre Gegner niederzuringen. Nach dieser Erfahrung strukturierte Greta – unser Team-Captain – die Mannschaft nochmal um. Die Verteidigung wurde mit Hans um einen weiteren Kaderspieler verstärkt. Die Ducks machten danach zwar nur noch gegen schwache Mannschaften viele Tore, aber in der Regel steckten sie auch deutlich weniger ein. Nur gegen Vlardingen (bei Rotterdam) und Lille (Frankreich) mussten sie sich knapp geschlagen geben. Das vollständige Duck-Team hätte aber auch hier gute Chancen auf Siege gehabt.
Um 16:00 ist das Turnier für die Ducklings zu Ende. Die Ducks aber ziehen ins Finale um den 3. Platz erneut gegen Argonauta. Nach einem frühen Break-away Tor von Michi aus der Full-Back-Position, wechseln sich die Tore ab, aber die Ducks bleiben immer ein Tor voraus und erringen mit zwei Toren Vorsprung unter dem Applaus der Ducklings den ersehnten Pokal.
Zum Duschen blieb, wie zu erwarten, wenig Zeit. In der Cafeteria waren schon die Tische gedeckt. Kaum hatten die Teams Platz genommen, wurden auf die Papiertischdecken schüsselweise Bitterballen (Kalbfleischcroquetten) und Fritten sowie kleine Schalen mit Currysauce und Mayonnaise verteilt. Gegessen wurde mit der Hand und wer es brauchte, kaufte noch ein Eis am Stiel hinterher. So schnörkellos flott wie das Turnier und das Essen, war auch die Siegerehrung. Während die Trainer noch Kontakte knüpften und sich über Spieler und Turniere austauschten, begeben sich unsere Ducks und Ducklings schon zu Fuß „nach Hause“, auf einen so gar nicht holländischen, überaus strengen Campingplatz, auf dem jeder Lärm und jede Musik verboten waren. Angesichts einer größeren Party in der Nachbarschaft und weniger als 5 km vom internationalen Flughafen Eindhoven eine wahrlich groteske Vorschrift. Nachdem die erste Nacht rekordverdächtigen Regen und einen Temperatursturz gebracht hatte, waren wir auf alles vorbereitet, aber die Nacht wurde nur kalt und selbst der Zug nach München war pünktlich, zumindest bis Laim. Wir werden wohl in der nächsten Zeit öfter aus den Niederlanden hören.

 

Kategorien: 
Erstellt am: 
31.10.2023